Definition
Ein systematischer Prozess, in der Automobilpraxis der ISO 26262 oft als HARA bezeichnet, der gefährliche Ereignisse identifiziert, Schwere, Exposition und Kontrollierbarkeit abschätzt und Sicherheitsziele sowie ASILs festlegt, um Design und Gegenmaßnahmen zu steuern.
Prinzip
Prinzip
Ausgehen von der Item-Funktionalität und vernünftig vorhersehbarem Fehlgebrauch, gefährliche Szenarien ableiten, deren Kenngrößen (Schwere, Exposition, Kontrollierbarkeit) quantifizieren und Risikominderung durch Definition von Sicherheitszielen und ASIL-spezifischen Anforderungen zuordnen.
Demonstration
Demonstration
Beim Szenario unbeabsichtigte Beschleunigung: die fehlerhafte Drosselklappensteuerung als Gefährdung identifizieren, hohe Schwere (Verletzungsrisiko) schätzen, Expositionshäufigkeit für Fahrsituationen beurteilen, geringe Kontrollierbarkeit durch den Fahrer feststellen und daraus einen ASIL ableiten, der Gegenmaßnahmen vorgibt.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Ein oberflächliches, checklistenartiges HARA durchführen, ohne identifizierte Gefährdungen mit konkretem Systemverhalten zu verknüpfen, ohne verlässliche Daten zu Exposition oder Kontrollierbarkeit oder mit inkonsistenten Kriterien in verschiedenen Teams, was zu unzuverlässigen ASIL-Zuordnungen führt.
Konsequenz
Konsequenz
Ein robustes HARA liefert rückverfolgbare Sicherheitsziele und ASIL-Zuordnungen, die die Ingenieurarbeit auf die relevantesten Gefährdungen konzentrieren und gezielte Anforderungen, Verifikationsplanung und nachweisbare Risikominderung ermöglichen.
Umkehrung
Umkehrung
Das Überspringen der Gefahrenanalyse und die ausschließliche Fokussierung auf Komponentenfehlermodi (FMEA) kann systemische Gefahrenszenarien infolge funktionaler Interaktionen übersehen und damit Sicherheitsanforderungen unter- spezifizieren.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für Item- und Systemfunktionen im Fahrzeugkontext und für vernünftig vorhersehbaren Fehlgebrauch; es ersetzt keine detaillierten Komponenten-FMEAs oder epidemiologischen Analysen nach dem Inverkehrbringen, muss aber bei Relevanz mit diesen verknüpft werden.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Eng verwandt mit FMEA und FTA, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass es gefahr- und szenarienorientiert ist und explizite Schwere/Exposition/ Kontrollierbarkeits-Bewertungen sowie ASIL-Zuordnungen vornimmt statt nur Ausfallraten- oder Ursachenbaumfokus.
Synthese
Synthese
HARA ist die strukturierte Verbindung von Funktionsbeschreibungen zu Sicherheitszielen: gefährliche Szenarien identifizieren, ihr Risiko anhand von Schwere/Exposition/ Kontrollierbarkeit bewerten und ASIL-informierte Sicherheitsziele ableiten, die Architektur und Verifikation zur Risikoreduktion leiten.